Amaro Ameise

Jeder Quadratmeter zählt!

2015 März

04.03.2015 Das Elefantengrasstroh

 

Heute wollte ich bei der Brücke, wo die Hessenbachstraße unter der Ackermannstraße durch führt, noch ein wenig aufräumen. Neulich habe ich ja einige Utensilien, die von vermeintlich verlassenen Obdachlosenlagern neben den Gleisen (Große Pappen, Schaumstoffstücke etc.) stammten, auch verräumt. Als ich ein paar Tage später spät abends dort spazieren ging, habe ich aber gesehen, dass dort einige Leute schliefen und sich einen Teil der Unterlagen wieder aus dem Haufen, den ich zur Abholung für die städtische Müllabfuhr bereitgestellt hatte, zurück geholt hatten. Es tat mir ein wenig leid, dass ich nicht genauer hinschaute. Deshalb nahm ich gestern eine Iso-Matte mit, um sie den Leuten zu schenken. Ich legte sie auf das Lager der Obdachlosen und räumte dann die Naturflächen rund um die Brücke auf, wobei wieder riesige Berge von Müll und Bauschutt zusammenkamen. Ein paar Meter weiter neben den Glascontainern hatte jemand zwei Müllsäcke mit Elefantengrasstroh abgelegt. Da mir die Müllbeutel ausgingen, überlegte ich, was ich wohl mit dem Elefantengras machen könnte, es in den Müll zu werfen, erschien mir nicht sinnvoll. Da fielen mir die Obdachlosen ein, das Stroh könnte ein probates Mittel gegen die Bodenkälte des Gleisbettes aus Schotter sein. Ich nahm das Stroh und bereitete damit neben dem Lager ein weiches Bettchen, breitete die Iso-Matte darauf aus und beschwerte diese dann mit einem dicken Stein, ohne zu vergessen, eine 20-Euro-Note als Entschuldigung für den kleinen Schrecken wegen des entsorgten Lagers unter dem Stein zu deponieren. Dann machte ich mit der Schubkarren noch einige Fuhren, bis es schon längst dunkel geworden war, als plötzlich ein silberfarbenes Auto gegenüber parkte.
Einige Männer, die offensichtlich aus der Gegend von Rumänien stammten, stiegen aus und schickten sich an, sich in diesem Lager dort bettfein zu machen. Ich werkelte schräg gegenüber noch ein wenig, als der älteste von ihnen, der so ca. 60 Jahre alt war, zu mir kam und mich fragte, ob ich für ihn einen Müllsack hätte, damit er ein wenig den Müll auflesen könne. Er dachte sicher, ich sei bei der Stadt als Müllmann beschäftigt. Dann habe ich ihm erklärt, dass es mir leid tut, dass ich das Lager entsorgte, weil ich dachte, dass das Lager verlassen sei und deshalb meine Iso-Matte von zu Hause mitgebracht habe und dass unter dem Stein noch ein wenig Geld für ein Frühstück liegt. Da hat er mich ganz ungläubig angeschaut, was sich aber ganz schnell änderte, als ich ihm die Hand gab und "Herzlich willkommen!" zu ihm sagte, da hat er plötzlich über sein ganzes wettergegerbtes Gesichtchen gestrahlt. Er nahm den Müllsack und ging zu seinen Leuten zurück. Kurz darauf habe ich dann Feierabend gemacht und als ich auf der anderen Seite der Straße mit meiner Schubkarre Richtung Heimat vorbei ging, winkten und lächelten die Männer ganz heftig und machten sich dann daran, ganz heftig mit dem Elefantengrasstroh zu rascheln, da wusste ich, dass die Welt schön ist.